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Schweizer Heilpädagogikpreis 1997 geht ins Tessin Autor: G.Sturny & A. Bürli
Bearbeitet: 24.02.2011 durch HN
1997 erhielt Gabriele Scascighini den Schweizer Heilpädagogikpreis für seine inovativen Arbeiten beim Einsatz von informationstechnischen Hilfsmitteln für behinderte Kinder und Erwachsene. Wir publizieren hier den Artikel, der damals in der Zeitschrift für Heilpädagogik erschienen ist (Gabriel sturny-Bossy und Alois Bürli, SCHWEIZERISCHE ZEITSCHRIFT FÜR HEILPÄDAGOGIK 6/97). Wir danken an dieser Stelle der Zentralstelle für Heilpädagogik für die Bewilligung den Text zu publizieren (hn)

Zum zweiten Mal hat das Curatorium der Schweizerische Zentralstelle für Heilpädagogik den Schweizer Heilpädagogikpreis verliehen. Ausgezeichnet wird der Tessiner Gabriele Scascighini für seine innovative Arbeit beim Einsatz informationstechnischer Hilfsmittel für behinderte Kinder und Erwachsene.
Der Schweizer Heilpädagogikpreis, in seiner ersten Auflage vor Jahresfrist dem Projekt «Lebensräume: Geistig behinderte Menschen in Psychiatrischen Kliniken» zugesprochen, zeichnet Initiativen von Personen und Institutionen aus, welche in besonderer Weise zur Entwicklung der Heilpädagogik in der Schweiz beitragen. Diese Voraussetzungen erfüllt der Preisträger, der Heilpädagoge, Sonderschulinspektor und Software-Entwickler Gabriele Scascighini nach Ansicht des preisverleihenden SZH-Gremiums in bester Weise.

Informationstechnik und Heilpädagogik: im Tessin ein bewährtes Gespann
Seit etlichen Jahren werden im Kanton Tessin bei der Förderung behinderter Kinder informationstechnische Mittel eingesetzt und so beispielsweise sinnesbehinderten Kindern integrative Schulungsformen ermöglicht. Die Brücke zwischen Informatik und Sonderpädagogik schlägt Gabriele Scascighini, der sein heilpädagogisches Fachwissen ideal mit technischem Flair zu verbinden weiss.
Um die vorhandenen Informatik-Kenntnisse gezielter und systematischer zu nutzen, wurde 1992 das Centro Informatica Disabilità (CID) geschaffen. Das Informatikzentrum stellt computerunterstützte Hilfsmittel für behinderte Kinder und Erwachsene bereit. Einerseits werden in Zusammenarbeit mit der Neuenburger Fondation suisse pour les téléthèses (FST) Hilfsmittel angepasst. Andererseits haben die Mitarbeiter des Zentrums von Anfang an eigene Software entwickelt. Das erste Produkt, die Zeichnungs-, Konstruktions- und Animations-Software «Blocks in Motion™» wurde für den Einsatz in unterschiedlichsten Lernsituationen konstruiert. Damit werden Lehrpersonen in heilpädagogischen Institutionen wie auch in Regelklassen angesprochen.
Kurz vor der Kommerzialisierung stehen «Access to Math™» (zur einfachen Gestaltung abwechslungsreicher mathematischer Grundaufgaben) sowie die Kommunikations- Software «TalesCan™». Übrigens: Um einen grösseren Markt abzudecken, wird die Tessiner Software auch von den USA aus vertrieben. Gabriele Scascighini pflegte schon in fernen Vor-Internet-Zeiten elektronischen Kontakt zu «Gesprächs»-Partnern in Übersee.

Das Beispiel von Roberto
An der Entwicklung des jüngsten Kindes aus der Software-Schmiede des CID, «TalesCan™», kann exemplarisch gezeigt werden, wie Heilpädagogik und Informatik ineinandergreifen. Die Entwicklungsgeschichte der Software ist eng verknüpft mit der Entwicklungsgeschichte des achtjährigen spastisch gelähmten Jungen Roberto, der nicht spricht und in seiner Motorik stark eingeschränkt ist.
Als Roberto mit sechs Jahren in die Sonderschule eingeschult wird, ist für die Heilpädagogen kaum abzuschätzen, was er intellektuell zu leisten vermag. Mit Hilfe von Piktogrammen baut eine Heilpädagogin Schritt für Schritt Kommunikationsstrukturen mit Roberto auf. Dabei zeigt sich, dass der als geistig behindert eingestufte Junge mittels dieser Piktogramme immer gezielter mit seiner Umwelt Kontakt aufnehmen kann. Ein halbes Jahr später beginnt die Arbeit mit einer Probeversion der Software «TalesCan™». Roberto findet die unzähligen Piktogramme, die er bis zu diesem Zeitpunkt verwendet hat, auf dem Bildschirm seines Computers wieder.
Mit dem Cursor, den er mit dem linken Fuss und teilweise mit der linken Hand betätigt, «hüpft er» gewissermassen durch das Programm. Ein Sprachsynthesizer setzt das Geschriebene in Laute um und leiht dem Jungen seine etwas blechern tönende Kunststimme. So kann sich Roberto auch mündlich verständigen. Diese Voraussetzungen ermöglichen ihm ungeahnt schnelle Fortschritte im Lesen und Rechnen.
Die täglichen Erfahrungen der Heilpädagogin mit der Software werden während der Entwicklungsphase ständig von den Software- Entwicklern aufgenommen und umgesetzt. Das ständige Abstimmen von pädagogischen Intentionen und informationstechnischen Möglichkeiten ist zweifellos die Haupt-Voraussetzung für eine erfolgreiche Software-Entwicklung im pädagogischen Bereich – Interdisziplinarität ist Pflicht. Im Projekt «TalesCan™» arbeiten neben Gabriele Scascighini die beiden Heilpädagoginnen Elvi Scascighini und Michaela Bernasconi sowie der Ingenieur Philip Hubert Hand in Hand.

Informatik im Dienste der Heilpädagogik
Das Beispiel von Roberto, der mit Computerunterstützung ins Lesen und Rechnen eindringt und dank Sprachkarte auch in lautsprachlichen Kontakt mit seiner Umwelt treten kann, zeigt: Hier wird die Informatik in die Dienste der Heilpädagogik eingespannt und nicht zum Selbstzweck betrieben. Die rasante computertechnische Entwicklung öffnet auch der Heilpädagogik Chancen, die vor kurzem noch undenkbar waren. Die innovativen Tessiner Heilpädagoginnen und Heilpädagogen unter der Leitung von Gabriele Scascighini weisen einen unkonventionellen und zukunftsträchtigen Weg, bekannte Problemstellungen der Heilpädagogik neu zu beleuchten. Dieser führt durch die Weiten der Interdisziplinarität und versteht es, vorhandenes Wissen in vernünftigem Mittel-Zielaufwand für die eigenen Belange nutzbar zu machen.
Software entsteht im Kopf. Die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit dieser Kopf frei denken kann, ist allerdings harte Knochenarbeit. So überrascht es kaum, dass der Verantwortliche des CID einen Teil seiner Energien für das Organisieren einer gesunden Finanzbasis des Informatikzentrums aufwenden muss. Das Preisgeld des Schweizer Heilpädagogik-Preises 1997 bietet sicherlich einen willkommenen «Zustupf» und wird vielleicht Zugang zu weiteren Sponsoren schaffen. Vor allem soll er Ansporn sein, das überdurchschnittliche Engagement bei der innovativen Bearbeitung heilpädagogischer Problemstellungen weiterhin auf sich zu nehmen.
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